Behandlungsmöglichkeiten

Wenn alle notwendigen Untersuchungen durchgeführt sind, werden wir ausführlich mit Ihnen besprechen, welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie in Frage kommen, wie gut die Heilungschancen in Ihrem speziellen Fall sind und welcher Therapieplan für Sie am sinnvollsten ist. Grundsätzlich stehen eine Operation, die Strahlenbehandlung, Chemo- oder Hormontherapie sowie eine Kombination aus mehreren dieser Möglichkeiten zur Verfügung.

 

Operation

Voraussetzung für jede Operation ist die Abwägung des Nutzens gegen das Risiko; dabei wird der Nutzen in der Regel vorrangig durch das Tumorstadium bestimmt. Eine Operation ist also meist dann sinnvoll, wenn voraussichtlich alles Tumorgewebe vollständig und mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand entfernt werden kann. Welche Operationen bei den jeweiligen Erkrankungen durchgeführt werden, ist unter der Rubrik „Krankheitsbild Krebs“ genauer beschrieben.

 

 

Chemotherapie

Häufig wird eine Chemotherapie im Anschluss an die Operation durchgeführt, kann jedoch auch ohne OP beispielsweise in Verbindung mit einer Strahlentherapie erfolgen. Ziel einer Chemotherapie ist es, im Körper verbliebene Tumorzellen abzutöten. Hierzu werden bestimmte Medikamente meist über eine Vene verabreicht. Diese Medikamente (Zytostatika) greifen im allgemeinen in den Zellteilungsmechanismus ein und wirken durch ihre Verteilung im Blutkreislauf im gesamten Körper (systemische Therapie). Die Substanzen können einzeln oder als Kombination gegeben werden. Welche Art der Chemotherapie in Ihrem Fall die beste ist, entscheiden wir in den Tumorkonferenzen gemeinsam mit unserem kooperierenden Onkologen.

Die Therapie kann normalerweise ambulant durchgeführt werden. Die einzelnen Therapiesitzungen werden als Zyklen bezeichnet. Oft werden insgesamt sechs Zyklen im Abstand von jeweils drei Wochen durchgeführt. Hierzu wird jeweils ein venöser Zugang gelegt. Sollte es bei Ihnen schwierig sein, Venen zu finden, kann auch ein so genannter Portkatheter eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich um eine Kammer mit einer Silikonmembran, die in örtlicher Betäubung unter die Haut gelegt wird und Anschluss an eine größere Körpervene hat. Die Silikonmembran kann dann problemlos viele Male angestochen werden.

Während eines Zyklus werden sowohl die gegen Tumorzellen wirksamen Zytostatika als auch verschiedene Begleitmedikamente verabreicht. Diese Begleitmedikamente sollen bereits im Vorfeld das Auftreten von Nebenwirkungen wie z.B. Übelkeit, Erbrechen und allergische Reaktionen verhindern. Zwischen den Therapiezyklen sollten regelmäßige Blutkontrollen erfolgen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend behandeln zu können. Welche Nebenwirkungen im einzelnen auftreten können, was Sie selbst dagegen tun können und wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten, erfahren Sie unter der Rubrik „Hilfe bei Beschwerden". Außerdem wird vor Beginn einer geplanten Chemotherapie ein ausführliches Aufklärungsgespräch erfolgen.

 

 

Strahlentherapie (Radiatio)

Eine weitere wichtige Behandlung ist die Strahlentherapie. Sie wirkt lokal im Bereich der tumorbefallenen Organe. Energiereiche Strahlen können Tumorzellen so stark schädigen, dass sie absterben. Heute lässt sich die Strahlung mit neuen Geräten sehr zielgenau auf eine Krebsgeschwulst bündeln; gravierende Nebenwirkungen sind dadurch selten geworden.

Je nach Tumorart und -ausdehnung kann eine Strahlentherpie nach einer Operation oder aber ohne eine solche eingesetzt werden. In bestimmten Fällen wird die Strahlentherapie mit einer Chemotherapie kombiniert (Radio-Chemotherapie), um bessere Heilungserfolge zu erreichen. Eine Bestrahlung des befallenen Gebietes von außen über die Haut wird als perkutane Bestrahlung bezeichnet. Die Strahlenquelle kann aber auch über eine Hülse für kurze Zeit in die Scheide bzw. Gebärmutter eingelegt werden (Afterloading-Verfahren). Häufig werden diese Verfahren miteinander kombiniert.

Vor der eigentlichen Bestrahlung wird der behandelnde Arzt ein Aufklärungsgespräch über den Ablauf und die zu erwartenden Nebenwirkungen mit Ihnen führen. Anschließend wird die Bestrahlung meist mit Hilfe einer Computertomographie genau geplant. Dies erfordert Zeit und Geduld, ist jedoch äußerst wichtig, damit nicht betroffenes Gewebe maximal geschont werden kann. Die erforderliche Gesamtstrahlendosis wird dabei in viele kleine Einzelportionen aufgeteilt (Fraktionierung). Auch dies schont das umliegende Gewebe. Die eigentlichen Bestrahlungseinheiten dauern dann meist nur wenige Minuten und finden üblicherweise täglich von Montag bis Freitag statt. In vielen Fällen kann auch eine Strahlentherapie ambulant durchgeführt werden.

In der Rubrik „Hilfe bei Beschwerden" sind wichtige Nebenwirkungen einer Strahlentherapie beschrieben. Sie erhalten Tipps zur Vermeidung und Therapie dieser Begleiterscheinungen.

 

 

Antihormontherapie

Bestimmte Tumore können „Andockstellen“ (Rezeptoren) für Hormone besitzen und daher einer Hormontherapie zugänglich sein. Dabei werden (Anti-) Hormone eingesetzt, um die Tumorzellen am Wachstum zu hindern. Vor allem für Patientinnen nach den Wechseljahren ist die Hormontherapie verhältnismäßig arm an Nebenwirkungen.

 

 

Immuntherapie

Die wachsende Kenntnis über die Rolle des Immunsystems bei Krebs hat zu neuen Behandlungsmethoden geführt. Therapieformen, die das Immunsystem beeinflussen, bezeichnet man als Immuntherapie. Dabei werden körpereigene Immunzellen gegen Tumorzellen aktiviert, um diese abzutöten. Die so genannten Antikörper können Tumorzellen, die veränderte Merkmale tragen, von gesunden Körperzellen unterscheiden.

 

Studien

Die Behandlungsmöglichkeiten von Krebserkrankungen haben sich im Vergleich zu früheren Jahrzehnten deutlich verbessert. Dennoch wird weiterhin an neuen Therapieoptionen geforscht mit dem Ziel, die Heilungschancen weiter zu erhöhen und Nebenwirkungen zu reduzieren.

Bis eine neue oder veränderte Therapiemethode als Standard eingesetzt werden darf, muss sie sich in zahlreichen Untersuchungen bewähren. Dies ist in vielen Fällen ein jahrelanger Prozess. Eine klinische Prüfung, also der Einsatz am Menschen, darf erst erfolgen, wenn der vorklinische Einsatz gute Ergebnisse erbracht hat.

Klinische Studien werden nach internationalen Qualitätsstandards geplant. Meist wird eine bewährte Methode mit der neuen erfolgversprechenderen verglichen. Bevor eine klinische Studie durchgeführt werden darf, muss eine unabhängige Ethikkommission darüber entscheiden. Die Durchführung erfolgt dann durch erfahrenes, speziell qualifiziertes Personal.

Mit der Teilnahme an einer klinischen Studie können Sie dazu beitragen, neue, wirksamere Therapien zu entwickeln und bewährte Behandlungen zu verbessern.

Folgende Vorteile ergeben sich für Sie:

  • Sie gehören unter Umständen zu den ersten Patientinnen, die von einer besseren Therapie profitieren.
  • Sie werden intensiver betreut und engmaschiger überwacht. Beschwerden oder ein eventuelles Wiederauftreten der Erkrankung können damit schneller erkannt und behandelt werden. Wir bieten als gynäkologisches Krebszentrum mehrere klinische Studien an. Kommt für Sie eine Studienteilnahme in Frage, so werden wir Sie ausführlich über die jeweilige Studie informieren. Sie müssen sich jedoch keineswegs zu einer Teilnahme verpflichtet fühlen. Nehmen Sie sich für Ihre Entscheidung ruhig etwas Bedenkzeit.

 

 

Nachsorge

Auch wenn alle Therapien einer Krebserkrankung bereits abgeschlossen sind, ist es wichtig zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen zu Ihrem behandelnden Frauenarzt zu gehen. Hier werden Sie weiter betreut, z.B. wenn noch therapiebedingte Beschwerden bestehen. Ganz besonders wichtig ist aber auch, einen möglichen Rückfall (Rezidiv) der Erkrankung frühzeitig in einem gut behandelbaren Stadium zu erkennen.

Im Folgenden erhalten Sie eine kurze Übersicht über die empfohlenen Kontrolluntersuchungen:

Eierstockkrebs

  1. Anamnese, körperliche Untersuchung, gyn. Untersuchung mit Ultraschall (Frauenarzt/Hausarzt):
    1. - 3. Jahr: vierteljährlich 4. - 5. Jahr: halbjährlich nach dem 5. Jahr: jährlich
  2. Mammographie:
    jährlich
  3. andere technische Untersuchungen (einschließlich Tumormarker):
    nur bei klinisch auffälligen Befunden

Gebärmutterschleimhautkrebs
Gebärmutterhalskrebs
Krebserkrankungen der Scheide
Krebserkrankungen des äußeren Genitals

  1. Anamnese, körperliche Untersuchung, gyn. Untersuchung mit Ultraschall (Frauenarzt/Hausarzt):
    1. - 3. Jahr: vierteljährlich 4. - 5. Jahr: halbjährlich
  2. nach dem 5. Jahr jährlich
  3. andere technische Untersuchungen (einschließlich Tumormarker, Probeentnahmen):
    nur bei klinisch auffälligen Befunden